Ausbau der Urananreicherungsanlage Gronau ist ein atompolitischer Gau
- Für einen umfassenden Atomausstieg!
Bündnis 90 / Die Grünen NRW werden gemeinsam mit den
Atomkraft-Gegnern aus dem Münsterland juristische Schritte gegen
die Erteilung der Ausbaugenehmigung der UAA Gronau prüfen. In diesem
Zuge erklären wir uns auch bereit, Klagen betroffener Bürger
gegen die Ausbaugenehmigung finanziell zu unterstützen.
Um die politischen Strategien für die nächsten Schritte des
Atomausstiegs zu entwickeln, veranstalten Bündnis 90 / Die Grünen
NRW noch in diesem Jahr einen Energiegipfel in Gronau. Dieser wird sich
sowohl mit den Alternativen zu Atomenergie und fossilen Brennstoffen befassen,
als auch mit der konsequenten Weiterentwicklung des Ausstiegs im Hinblick
auf die noch ausstehenden Teilbereiche der Atomwirtschaft (AKW-Zulieferbetriebe
zur Urananreicherung und Brennelementeherstellung, Uran- und Technologieexport,
Forschung, Wiederaufbereitung, Transportproblematik, Zwischenlagerung,
Endlagersuche etc.).
Begründung:
Deutschland wird Uran-Exportweltmeister!
Durch die Genehmigung des Ausbaus der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage
in Gronau am 14.02.05, mit dem die Kapazität der Anlage mehr als
verdoppelt wird, können zukünftig weltweit 36 Atomkraftwerke
mit atomarem Brennstoff aus Gronau versorgt, und somit ihr Betrieb sicher
gestellt werden. Da es in Deutschland längst nicht so viele Atomkraftwerke
gibt, wird der größte Teil exportiert. 10 % der weltweiten
Produktion von angereichertem Uran, das für den Einsatz atomarer
Brennelemente in Druck- und Siedewasserreaktoren benötigt wird, kommt
künftig aus Gronau. Die Urananreicherungsanlage in Gronau hat damit
eine entscheidende Bedeutung für die nicht zu verantwortende weitere
Nutzung der Atomenergie.
Neben der Produktionserweiterung wurde der Betreibergesellschaft Urenco
zudem die Errichtung eines Zwischen"lagers für 60.000
t Uranoxid genehmigt. Angesichts des Ausbaus der UAA Gronau, sowie der
für Mai / Juni 2005 anstehenden Castortransporte vom sächsischen
Rossendorf ins Brennelemente"zwischen"lager Ahaus ist vom Atomausstieg
nichts mehr zu spüren, vielmehr entwickelt sich das Münsterland
zur zentralen Region der deutschen Atomindustrie!
Die UAA Gronau und der Uranabbau
Mit dem Betrieb der Urananreicherungsanlage geht der menschenverachtende
Uranabbau z. Bsp. in Australien, Namibia oder Kanada einher. Jahr für
Jahr müssen künftig noch größere Uranerzmengen gefördert
werden, aus denen in Gronau Uran für AKWs angereichert wird.
Die Folge sind Millionen Tonnen giftiger strahlender Müll in den
Uranabbaugebieten. Für die dort lebenden Menschen ist deshalb bereits
der "Normalbetrieb" von Atomanlagen eine Katastrophe für
ihr Leben. Deshalb wehren sich die Menschen dort gegen den Uranabbau,
die Yakimah-Indianer in Arizona, oder die Mirrar, ein Aborigine-Volk im
australischen Outback.
Mehr Atomtransporte, mehr Atommüllexport!
Verbunden mit dem Ausbau der UAA Gronau ist auch eine enorme Zunahme
der Urantransporte von und nach Gronau. Das sogenannte "abgereicherte
Uran", wird in großer Menge von der UAA Gronau zur Weiterbehandlung
in russische und französische Urananreicherungsanlagen transportiert
und später zurückverbracht. Dies geschieht aus reinen Kostengründen
und gefährdet unnötig die Bevölkerung in NRW und halb Europa.
Zudem verbleibt ein großer Teil des abgereicherten, waffenfähigen
Urans (Munitionsummantelung) in Russland und stellt somit einen unzulässigen,
unverantwortlichen Atommüllexport dar.
Die UAA Gronau und die Bombe
Schließlich ist die in Gronau eingesetzte Gaszentrifugentechnik
auch von erheblicher militärischer Bedeutung. Es ist die Technologie
der UAA-Betreibergesellschaft Urenco, die weltweit eine Schlüsselrolle
bei der Verbreitung von Atomwaffen spielt und von immer mehr Ländern
zur Herstellung von Atombomben genutzt wird. So stammt die Technologie
für die pakistanische Atombombe auf Umwegen" von der Urenco,
einer Tochterfirma von RWE, e.on u.a.. Der "Vater der islamischen
Bombe", Abdul Qadeer Khan, hatte in den 70er Jahren bei der Atomfirma
Urenco gearbeitet und geheime Unterlagen über die Herstellung von
angereichertem Uran gestohlen, darunter auch die Liste der Firmen, die
Teile für Atomfabriken bauen können. In Pakistan war er maßgeblich
an der Produktion der pakistanischen Atomwaffen beteiligt. Pakistan verfügt
inzwischen über dreißig bis sechzig Atomwaffen. Von Pakistan
aus wurde die Gaszentrifugentechnik weiterverkauft, nach Libyen, in den
Iran und nach Nordkorea, da auch diese Staaten sich Atomwaffen verschaffen
wollen. Die Anwendung der Urananreicherung in Deutschland begünstigte
also ihre weltweite Proliferation!
Die Brisanz dieser dual-use"-Technologie wird auch in der
aktuellen Krise um den Iran deutlich. Damit der Iran keine Atombombe entwickeln
kann, verlangte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde,
El Baradei) vor kurzem ein weltweites Urananreicherungs-Moratorium. Doch
wie kann die internationale Gemeinschaft glaubwürdig vom Iran ein
Ende der Urananreicherung verlangen, wenn zugleich die eigenen Kapazitäten
massiv ausgebaut werden?
Niederlage für den Widerstand
Bündnis 90/ Die Grünen haben den Ausbau der Urananreicherungsanlage
gemeinsam mit der Anti-Atomkraft-Bewegung stets abgelehnt. Es ist uns
jedoch trotz unserer Bemühungen und trotz der Regierungsbeteiligung
in Bund und Land nicht gelungen, den Ausbau der Urananreicherungsanlage
zu verhindern.
In Gronau findet mit dem Ausbau der Urananreicherungsanlage gerade kein
Atomausstieg statt - im Gegenteil. Es ist für uns schwer erträglich,
wenn ausgerechnet unter der Regie eines grünen Bundesumweltministers
die Genehmigung zum Ausbau der Urananreicherungsanlage erteilt wird, weil
offenbar bei der Neufassung des Atomgesetzes im Zuge des Atomkonsenses
keine wirksamen gesetzlichen Sicherungen gegen den Ausbau der Urananreicherungsanlage,
und für deren Stilllegung, vorgesehen wurden.
Der Widerstand geht weiter!
Die Erteilung der Ausbaugenehmigung für die UAA Gronau belegt, dass
die politische Auseinandersetzung um die weitere Nutzung der Atomenergie
wieder verstärkt werden muss. Einige CDU Politiker haben bereits
angekündigt, den Ausstieg aus der Atomenergie, wie er im Atomgesetz
verankert ist, rückgängig zu machen und den Weg für den
Neubau von Atomkraftwerken zu ebnen.
Wir bleiben bei der Ablehnung und finden uns mit dem Ausbau der Urananreicherungsanlage
Gronau nicht ab. Wir setzen uns weiterhin für die Stilllegung der
Urananreicherungsanlage ein. Für uns, Bündnis 90 / Die Grünen
in NRW, bedeutet die Ausbaugenehmigung für die Urananreicherungsanlage
nicht das Ende unseres Widerstandes gegen diese menschenfeindliche Technologie.
Wir werden gemeinsam mit den Atomkraft-GegnerInnen aus der Region juristische
Schritte gegen die Erteilung der atomrechtlichen Genehmigung prüfen
und erklären uns in diesem Zuge auch bereit, juristische Prüfung
und gegebenenfalls Klagen betroffener Bürger gegen die Erteilung
der Ausbaugenehmigung finanziell zu unterstützen. Bündnis
90 / Die Grünen werden auf Landesebene eine Kampagne gegen die
Urantransporte forcieren und mit einer Energiekonferenz Gefahren der Urananreicherung
aufzeigen, sowie vorhandene Alternativen zum Atomstrom darstellen. Es
bedarf noch viel mehr politischer Informations- und Überzeugungsarbeit
innerhalb der Bevölkerung und gegenüber den anderen Parteien,
damit perspektivisch die nächsten Schritte in Richtung eines umfassenden
Atomausstiegs gegangen werden können. Der Atomkonsens ist nicht gescheitert,
aber ist erst der erste Schritt in den Ausstieg.
Wenn demnächst von der sächsischen Landesregierung Atommüll
aus dem Atommülllager Rossendorf bei Dresden nach Ahaus geschickt
wird, werden wir die außerparlamentarischen Proteste gegen diesen
Transport unterstützen, im Parlament und auf der Straße.
Der Widerstand gegen die Atomenergie muss weiterhin auf der politischen
Tagesordnung der Grünen stehen, in der Bundesregierung und im Bundestag
ebenso wie in der NRW -Landesregierung im Landtag und auf der Straße.
UnterstützerInnen:
Wilhelm Achelpöhler, KV Münster, Vorstandssprecher
Silke Friedrich, KV Steinfurt, Ratsfrau
Udo Buchholz, KV Borken, OV Gronau, Ratsherr
Tim Rohleder, KV Münster, Ratsherr
Rüdiger Bartels, KV Borken, OV Gronau (ruhende Mitgliedschaft?)
Meinolf Sellerberg, KV Münster, GSF KV Warendorf
Norwich Rüße, KV Steinfurt, GSF KV Steinfurt