Wieder Proteste gegen Atommülltransport nach Frankreich
- Nach Ahaus-Entscheid: scharfe Kritik an NRW-Landesregierung
Mit mehreren Aktionen protestierten Atomkraftgegner heute gegen einen
Atommüll-Transport aus den norddeutschen Atomkraftwerken Stade, Brokdorf
und Grohnde in die französische Plutoniumfabrik La Hague. Schwerpunkt
der Proteste war Waltrop im nördlichen Ruhrgebiet. Dort demonstrierten
bereits gestern Abend 50 Menschen gegen die Atommülltransporte. Heute
morgen gab es an der Bahnstrecke eine Mahnwache. Die Polizei war stark
vertreten und kontrollierte die Bahnstrecke mit drei Hubschraubern. Auch
in Münster und Hamm kam es zu Protesten. In Hamm wurde am Güterbahnhof
einer Person von der zahlreich anwesenden Polizei ein Platzverweis erteilt.
Die Proteste richteten sich auch gegen die völlig verfehlte Entsorgungspolitik
für bundesdeutschen Atommüll. Der hochradioaktive Atommüll,
der jetzt nach Frankreich rollt, soll dort verarbeitet und verpackt werden.
Dabei entsteht zehn Mal mehr Atommüll, als angeliefert wird. Ab 2008
soll der Atommüll dann ins niedersächsische Gorleben und ins
westfälische Ahaus zurücktransportiert werden, um dort "zwischen"-gelagert
zu werden.
Diese Art des Atommülltourismus ist völlig unverantwortlich
und verschleiert nur, dass es kein Konzept für die sichere Entsorgung
von Atommüll gibt.
Stattdessen wird der Atommüll durch halb Europa gefahren und gefährdet
allein durch den Transport die Menschen an den betroffenen Bahnstrecken.
Die heutige Transport fuhr u.a. über Hamburg-Minden-Paderborn-Soest-Hamm-Lünen-Waltrop-Recklinghausen.
Aufgrund der zu erwartenden Proteste war der Transport nicht durch Münster
gefahren und hatte in Hamm keinen Zwischenaufenthalt zum Rangieren.
NRW-Landesregierung: Keine inhaltliche Auseinandersetzung
mit Atompolitik
Die Anti-Atomkraft-Initiativen im Münsterland werfen der NRW-Landesregierung
vor, keinerlei inhaltliche Position zu den Atomtransporten durch NRW und
nach Ahaus zu haben. So beteiligt sich die Landesregierung seit Jahren
widerspruchslos an den Atommüllexporten nach Frankreich, obwohl der
Atommüll in einigen Jahren nach Ahaus zurückrollen soll. Offensichtlich
findet die Landesregierung Atomtransporte und Atomanlagen gut, solange
es keine öffentlichen Proteste gibt.
In diesem Zusammenhang kritisieren wir auf das Schärfste die Entscheidung
der Landesregierung, für den 10. November zu "Koordinierungsgesprächen"
für die geplanten Atomtransporte von Dresden nach Ahaus einzuladen.
Unverantwortlich ist auch die Entscheidung, keine Klage gegen das Bundesamt
für Strahlenschutz (BfS) zu erheben. Dieses hatte am Dienstag den
Widerspruch von NRW gegen die
Transportgenehmigung aus völlig fadenscheinigen Gründen zurückgewiesen.
Monatelang erklärte die Landesregierung, sie habe gute inhaltliche
Gründe gegen die Straßentransporte. Nun heißt es auf
einmal, eine Klage habe keine Erfolgsaussichten. Hat die Landesregierung
die Öffentlichkeit monatelang getäuscht, indem sie vorgaukelte,
auch inhaltlich gegen die Atomtransporte vorgehen zu wollen? Wir fordern
die Landesregierung auf, umgehend gegen den Bescheid des BfS Klage einzureichen
und auch inhaltlich gegen die Atomtransporte und eine Einlagerung in Ahaus
vorzugehen. Atommüll-Transporte und -Lagerung sind nicht eine Frage
von Polizeischutz, sondern von langfristiger Sicherheit für die betroffenen
BürgerInnen. Deshalb sollte die Landesregierung die "Koordinierungsgespräche"
umgehend wieder absagen.
Wir erneuern unsere Forderung, dass Ministerpräsident Steinbrück
nach Ahaus kommen soll, um dort den Menschen vor Ort darzulegen, wie die
Landesregierung weitere Atomtransporte nach Ahaus und den weiteren Ausbau
der Urananreicherungsanlage in Gronau verhindern will. Wir sind zudem
sehr verwundert, dass die zuständigen Fachminister Horstmann (Energie)
und Höhn (Umwelt) seit Monaten zu dem Thema schweigen. Offensichtlich
ist Atompolitik in NRW zur alleinigen Angelegenheit des Innen- und Polizeiministers
geworden.
Die Anti-Atomkraft-Initiativen kündigen weitere Proteste an.
Menschen gegen Atomanlagen
(Mega) Waltrop
Kontakt zur MegA: info@mega-waltrop.de