grüne Leserbriefe
Leserbrief
zum Pressebericht der Münsterschen Zeitung vom 7. März 2007
"Schwer zu verkraften" - Kosten für Asylbewerber

 


Was will die Presse mit dem Artikel zu den Kosten für die Asylbewerber bewirken? Will man Neid, Missgunst und Ausländerfeindlichkeit schüren? Der Pressebericht schürt ein Feuer auf dem Rücken von Menschen, die aus Angst und Sorge ihre Heimat verlassen haben. Die Presse weckt versteckte Hoffnungen, bald im Haushalt der Kommune mehr Geld zur Verfügung zu haben.
Die sachlichen Angaben sind sicherlich korrekt, dass die Kommune Hilfen zum Lebensunterhalt für diesen Personenkreis zahlen muss und nur eine geringfügige Zuweisung vom Land erhält. Das sind gesetzliche Vorgaben für diesen Personenkreis, aber da nur die Kosten für die Asylbewerber genannt werden, entsteht ein falsches Bild. So werden die Asylbewerber zu schwarzen Schafen gemacht.
Für einen weit größere Gruppe der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger aus Neuenkirchen zahlen Bund und Land nach dem SGB. Den Asylbewerbern ist die Möglichkeit zu arbeiten und eine eigene Existenz zu gründen, nicht gegeben worden, denn es galt: Ohne Arbeit keine Aufenthaltsgenehmigung und ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeit.
Was heißt geduldet zu sein, keine Möglichkeit zu bekommen sich in das Netz einer Gemeinschaft einzubringen? Es ist ein menschenrechtliches Unrecht diese Menschen über 16 Jahre von einer Duldung zur nächsten zu schieben und ihnen keine Chance zu geben. Diese Menschen leiden unter ihrer Situation, erst recht seitdem sie täglich mit einer Abschiebung bei Nacht und Nebel rechnen müssen.
Die Innenministerkonferenz vom November 2006 hat Beschlüsse gefasst, die sich in so kurzer Zeit nicht umsetzen lassen. Die Asylbewerber müssen bis zum September 2007 Arbeit finden und mit diesem Lohn ihre Familie ernähren können. Die Arbeitsmarktlage ist sehr schlecht, erst recht für diesen Bewerberkreis. Die Duldungen werden für einen immer kürzeren Zeitraum ausgesprochen. Welcher Arbeitnehmer stellt jemanden ein, der nur noch 3 Monate geduldet ist und dessen Duldung sich eventuell nicht verlängert? Nach 16 Jahren können diese Familien mit ihren hier geborenen und integrierten Kindern nicht einfach wieder zurückgeschickt werden.
Das ist unmenschlich!


Ellen Pfennig
Bündnis 90 / Die Grünen
- Fraktionssprecherin -



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