Ich habe ja schon seit langem den (üblen) Verdacht, dass den Parteien in Deutschland – insbesondere CDU und FDP – die Demokratie ziemlich lästig geworden ist. Man ist es einfach müde, sich ständig mit Bürger-Einwänden gegen Entscheidungen auseinandersetzen zu müssen, die man doch im Grunde bereits mit allen Beteiligten aufs Feinste ausgekungelt hat, und bei deren Umsetzung der mäkelnde Bürger nur stört. Ja, ja, lt. Grundgesetz ist er ihr Souverän, aber – mal ehrlich – welchen Politiker kümmert das denn noch wirklich?
Und was muss ich nun feststellen? Nicht nur in Stuttgart und andernorts – weit weg von unserem schönen, kleinen Neuenkirchen, nein, auch im Rat unserer Gemeinde gibt es eine gewisse Hybris der Volksvertreter, die von sich meinen, besser zu wissen, was für unsere Kinder gut ist. Sie setzen offenbar voraus, Eltern seien zu desinformiert, zu desinteressiert oder zu dumm, sich mit Fragen zu beschäftigen, die für sie und ihre Kinder existentiell wichtig sind. Auch Schulleiter und Lehrer haben natürlich keine Ahnung davon, wie eine gute Schule zu funktionieren hat. Also lassen wir sie bei unseren – ach so klugen (?) - Politiker-Entscheidungen einfach mal außen vor.
Besser, sensibler, fachlich fundierter und - nicht zuletzt - demokratischer (!) wäre es gewesen, wenn man sich mit dieser Entscheidung im Rat mehr Zeit gelassen hätte und dem Vorschlag der Opposition (Grüne, UWG, SPD) gefolgt wäre:
ZUERST intensive Gespräche mit allen Beteiligten (Elternvertreter, Schulvertreter etc.) führen und ERST DANACH entscheiden!
Nur so hätte man den Bürgern das Gefühl von Mitbestimmung und Schulleitern und Lehrern die Anerkennung ihrer fachlichen Kompetenz gegeben. Die Mehrzahl der Klicks in einer Umfrage zu haben, die vermutlich ganz gezielt manipuliert wurde, reicht zur Erfragung des Bürgerwillens einfach nicht …
Ulrike Linnenbrink (Lehrerin i.R.)