Fraktion
Bündnis 90 / Die Grünen
Haushaltsrede 2008 - Fraktionssprecherin Ellen Pfennig -
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren!
Der Gemeinde geht es gut! Daran besteht kein Zweifel. Die Verwaltung
hat die Umstellung auf das NKF-Prinzip im Griff und tatsächlich
tauchen immer wieder aus guten Quellen (Gewerbesteuereinnahmen von
4 000 000 €, Abschlagzahlungen vom Land NRW über 361 000
€) Gelder auf. Eine Inanspruchnahme der Ausgleichsrücklage
ist nicht notwendig, Kredite können abgetragen werden und eine
Pro-Kopf-Verschuldung von nur 210 € sind ein traumhaftes Ergebnis!
Was will man mehr?
Trotz der guten Haushaltslage halten wir eine zweckgebundene Anhebung
der Grundsteuer um 10 Hebepunkte von 175 v.H. auf 185 v. H. (ein Betrag
von rd. 4000 €) für notwendig. Dieser Betrag soll gezielt
für die Instandsetzung und Erhaltung der Wirtschaftswege verwandt
werden, denn der Ansatz dieser Haushaltsstelle musste um 13 000 €
auf 41 000 € erhöht werden.
An verschiedenen Punkten sehen wir noch Gestaltungsaufgaben mit Blick
auf die Zukunft.
Bündnis 90/Die Grünen setzen auf die Zukunft! Investitionen
in die Zukunft lohnen, sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer
Sicht.
Deshalb haben wir uns für folgende Punkte stark gemacht:
Stichwort: Energieeinsparungskonzept
Seit nunmehr 30 Jahren werden die Beschlüsse und Vorsätze
von Kyoto nur halbherzig in Augenschein genommen. Es folgen keine
Taten. Die klimatischen Veränderungen wurden Jahrzehnte ignoriert
und nicht konkret in Angriff genommen. Die Forderung von Bündnis
90 /Die Grünen eines Energieeinsparungskonzept für die öffentlichen
Gebäude der Gemeinde, die bereits 2005 von uns erhoben wurde,
wurde auch in diesem Jahr wiederholt von der Mehrheitspartei abgelehnt.
Die gesetzlichen Vorgaben eines Energiepasses für Gebäude
machen eine Energiebilanz notwendig, man muss sich langsam auf den
Weg machen. Schade, dass solche Einsichten erst durch Gesetzesvorgaben
erreicht werden und nicht durch vorausschauendes Denken und Handeln.
Stichwort: Radwegenetz
Das Radewegenetz ist für Bündnis 90/ Die Grünen seit
Jahren ein Thema für das wir uns einsetzen, aber leider mit wenig
Erfolg. Eine sinnvolle Vernetzung der Radwege ist nach wie vor nicht
gegeben, ein Gutachten für diese Erstellung wird abgelehnt. Stattdessen
werden 2km des vorhandenen Radweges (von der Helle bis zum Bergweg)
mit einer komfortablen bitumen Decke für einen Kostenaufwand
von 92 000 € versehen, damit es immer Sommer nicht so staubt.
Dafür haben wir kein Verständnis. Stattdessen eine Beleuchtung
der noch fehlendenden Teile des Radweges und des Haarweges zur Sicherung
für Kinder und Jugendliche und für den Breitensport zu errichten,
wurde abgelehnt.
Stichwort : Erweiterung der psychosozialen Beratungsstellen
Für uns ist es wichtig, dass Beratung und Hilfsmaßnahmen
vor Ort stattfinden. Eine Beratung, die nur am 1. und
3. Mittwoch im Monat stattfindet, kann nur eine formale Kontaktaufnahme
sein, die keiner wirklichen Beratung gleichkommt. Problematische Situationen
bedürfen einer unmittelbaren, zeit- und ortsnahen Hilfe. Der
Caritasverband hat für Neuenkirchen und Wettringen diese Aufgaben
zu leisten, bekommt von der Gemeinde für einen Teil der Beratungen,
die in Rheine stattfinden finanzielle Unterstützung, aber zeigt
hier vor Ort zu wenig Präsenz. Bündnis 90/ Die Grünen
forderten Bereits im Vorjahr diese Beratung. Im Zusammenhang mit der
Planung eines Familienzentrums sehen wir eine Möglichkeit diese
weitergreifende Beratung umsetzen zu können. Das Kardinal von
Galen Haus bietet gute Voraussetzungen, um dort ein erweitertes Angebot
des Caritasverbandes im Rahmen der Erziehungsberatung, Ehe-, Schuldner-,
und Drogenberatung anzubieten, da dort bereits einige soziale Einrichtungen
untergebracht sind.
Außerdem haben wir dem Antrag des Caritasverbandes eine Beihilfe
zum Erweiterungsbau des Franz Wolters-Hauses, bei dem 215 000 €
investiert wurden, von 5000€ von der Gemeinde zu gewähren,
befürwortet, während sich alle anderen Parteien dagegen
aussprachen.
Wir wissen, wie positiv dieses Haus angenommen wird, in dem vor allem
Neuenkirchner eine Zuhause finden. Die Erweiterung wurde notwendig,
um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, dort zu wohnen.
Stichwort: Touristische Vermarktung
Im Haushaltsplan sind für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
(Medienpräsenz) 3000€ und für den Bereich Tourismus
30 000€, wobei nach Abzug der Personalkosten, Beiträgen
für Versorgungskassen, Beiträgen zur gesetzlichen Sozialversicherung
und Aufwendungen für Veranstaltungen kein Euro mehr verbleibt,
bereit gestellt. Womit soll touristische Vermarktung betrieben werden?
Bündnis 90/ Die Grünen plädieren für eine Vernetzung
mit anderen Kommunen, Zusammenschluss bei den Veranstaltungen, Werbung
im Internet, durch Flyer und Entwicklung konzeptioneller Strukturen.
Das Museum in St. Arnold unter der Federführung von Herrn Dr.
Jentgens ist erst einmal gestorben. Neuenkirchen hat sehr viel positive
touristische Faktoren (Offlumer See zusammen mit dem Freibad, Sammlung
Koops, geologischer, archäologischer Radweg, Heimathaus, Dorf
St. Arnold usw.) Jeder versucht sein Bestes zu geben, aber es bedarf
eines strukturellen Rahmens und einer konzeptionellen Vermarktung.
Warum in diesem Fall kein professionelle Hilfe einholen bzw. einkaufen?
Mund zu Mund Propaganda sind Mittel aus dem letzten Jahrhundert -
nicht immer schlecht, aber wenig wirksam. Aus Neuenkirchen lässt
sich mehr machen ! Davon sind wir überzeugt.
In dieser Überzeugung werden wir nach wie vor und unablässig
unsere Gesichtspunkte einbringen. Wir sind es gewohnt, sowohl im bundespolitischen
als im kommunalpolitischen Rahmen , dass unsere Ansichten erst sehr
viel später von den anderen gesehen, gehört und tatsächlich
auch umgesetzt werden. Viele Argumente der Bündnis 90 /Die Grünen,
die wir bereits vor gut 20 Jahren gebracht hatten, finden langsam
Gehör. Die Zukunft wird auch die anderen Parteien zu manchem
Schritt zwingen, den sie noch vor 10 Jahren für unmöglich
gehalten haben.
Wir werden weiterhin die Zukunft im Blick behalten.
Recht herzlichen Dank an den Herrn Bürgermeister, die Verwaltung
und die anderen Parteien für die gute, respektvolle und konstruktive
Zusammenarbeit.